Singen trotz Handicap und amtliche Willkür

przez James Wilson

Oliver Palmer wurde mit einem Herzfehler geboren und von den Ärzten der Klinik in Erlangen gerettet. Er entwickelte sich anfangs gut, doch das Sprechen bereitete ihm Probleme. Die Kinderärzte waren davon aber nicht beunruhigt, oder haben es übersehen.

Oliver war sechs Jahre alt, als die Ärzte im Zentrum für Kindergesundheit in Warschau das Problem mit seinem Gehörsinn festgestellt haben. Im Alter von acht Jahren hat er seine ersten Hörgeräte erhalten - fünf Jahre zu spät. Er ist in Otwock bei Warschau in den Kindergarten gegangen und in Otwock hat er auch zwei erste Grundschulklassen absolviert. Zum Abschied hat er sehr gute Beurteilung des Schulleiters bekommen. Die vier Jahre in Otwock waren wahrscheinlich die schönsten in seinem Leben.

Nach der Rückkehr nach Deutschland hat ihn der Schulalltag eingeholt. Darüber könnte man ein ganzes Buch schreiben… Für Frau Elzbieta Palmer, die Mutter des Jungen, bedeutete das einen "zehnjährigen Krieg" gegen die Schulbeamten. Sie wollten Oliver um jeden Preis als unterentwickelt in eine Sonderschule stecken. Die Mutter wusste es zu verhindern. "Man hat überhaupt nicht berücksichtigt, dass das Kind einfach nicht hören kann. Die Beamten ignorierten alle Gutachten."

Schließlich wurde eine Schulpsychologin eingesetzt, die das Kind drei Wochen lang testete und testete und testete… Oliver hatte schon Angst vor ihr. Nach diesen Tests hat sie Oliver den IQ von 42 bescheinigt, also das Niveau eines …Debilen. Die Beamten haben sich immer auf diese Tests berufen, ohne zu berücksichtigen (oder zu wissen), dass Oliver mit den Tests für Erwachsene untersucht wurde. Die Psychologin wurde schließlich zum Sachgebietsleiter an der Regierung von Oberfranken befördert. Eine unabhängige Sachverständige Psychologin bezeichnete diese ganze Untersuchung als skandalös. Der verantwortliche Aufsichtsbeamte der Regierung von Oberfranken meinte in seiner Antwort: "es kommt darauf an, wie man es betrachtet".

Aus jeder Schule, in die Oliver zu gehen versuchte, wurde er rausgeschmissen. Seine Mutter hat ihn trotzdem nicht in die Sonderschule geschickt. Das Kind litt und fühlte sich benachteiligt. Der Mutter wurde mit der Gefängnisstrafe gedroht und das Jugendamt wollte Oliver sogar in eine geschlossene Anstalt bringen, aber das wusste die Mutter zu verhindern. Die Unterlagen mit den Noten Olivers sind aus einer Schule sonderbarerweise verschwunden - die hätte man benötigt, um die Sache vorm Gericht zu beenden. Heute unterliegt Oliver der Schulpflicht nicht mehr.

Die ganze Geschichte kostete zigtausende von Euro und hat die Familie beinahe in den Ruin getrieben. Ständig mussten hohe Geldstrafen bezahlt werden - ganz typisch: zuerst sollte die Familie finanziell "unschädlich gemacht" werden.

So geht es nicht nur dieser Familie. Am Ende der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts verfügen wir über ein Schulsystem, das vielleicht Anfang des 19. Jahrhunderts als modern bezeichnet werden könnte, das aber nach dem Rasenmäher-Prinzip funktioniert: es ist egal, ob Blumen, Gras oder Unkraut - alles wird kurz gemacht! Dazu kommt noch das ziemlich breit ausgebaute Betreuungssystem, mit den Berufspsychologen und Berufsbetreuern, die sich oft um mehrere Kinder und Erwachsene kümmern. Unter ihnen gibt es leider auch welche, die sich lediglich für die Bankkonten ihrer Schutzbefohlenen interessieren. Über den Kindermissbrauch und Kinderhandel hat die Presse sehr viel und oft genug geschrieben. Passiert ist leider nichts.

Nun zurück zum Oliver!

Im Frühjahr 2016 hat Oliver an der polnischen Fernsehshow "Must be the musik" teilgenommen.

Er hat in Polen den Tenor Ryszard Karczykowski kennengelernt. Herr Karczykowski sang auf den größten Bühnen der Welt, bevor er Professor an der Musikuniversität in Warschau wurde. Er hat mit Oliver während des Workshops im Institut für Physiologie und Pathologie des Hörens in Kajetany bei Warschau gearbeitet und war von ihm begeistert.

Inzwischen hat Oliver hervorragende Hörgeräte erhalten, die aber auch "hervorragend" teuer sind. Die Krankenkasse verweigert die Kostenübernahme, weil "seine Weiterbildung als Sänger in Deutschland nicht möglich sei". Ihm fehlen die Schulabschlüsse. Unterdessen hat der Verband der Polnischen Musiker in Warschau schriftlich bestätigt, dass Oliver für den Gesangsunterricht als Privatschüler durchaus zugelassen werden könnte, was in Deutschland seit Jahren gängige Praxis zu sein scheint, wenn man die Hitparaden und das bunte Treiben der "Musikanten" bei den öffentlich-rechtlichen Sendern genauer betrachtet…

Nun ist es um Oliver still geworden. Für seine Hörgeräte, die finanziert wurden, muss er noch ca. 3000 Euro abbezahlen. Währenddessen hat das Jobcenter seine Leistungen um 200 Euro gekürzt, obwohl man ihm dort eigentlich die Unterstützung bei der Ausbildung versprochen hatte. Die Aufnahme einer regulären Arbeit mit seinem Herzfehler kommt für Oliver nicht infrage. Der Gesang überlastet ihn aber nicht.

Die Regierung von Oberfranken möchte die Sache um jeden Preis unter den Teppich kehren, um ihre Inkompetenz zu kaschieren, denn welcher "Zurückgebliebene" spricht schon drei Sprachen und singt klassische Musik in sechs Sprachen, obwohl er ohne Hörgeräte vollkommen taub ist? Vielleicht sollte er sich doch sonst überallhin im Rollstuhl kutschieren lassen und unartikulierte Laute von sich geben, nachdem er den ganzen Vormittag das Essen mit dem Löffel übte?

Nachtrag:
Das Jobcenter hat die Kürzung zurückgenommen.

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